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Der gute König

Agentic coding

Ein grüner König zwischen zwei ihm zugeneigten braunen Schachfiguren.

Ein guter König umgibt sich mit fähigen Beratern, am besten mit Menschen, die klüger sind als er. Ein schlechter hält sich Leute, die ihm sagen, was er hören will.

Mit Agenten kann sich inzwischen jeder von uns einen beliebig großen Hofstaat halten. Das Problem des Königs gibt es dazu: Wessen Rat folgt man?

Letzte Woche waren sich zwei meiner Agenten über ein Kapitel uneinig.

Ich arbeite an einem Essay über einen deutschen Pfarrer aus dem 18. Jahrhundert und seine Besessenheit von Bienen. Ein Agent schreibt eines der erläuternden Kapitel, weil ich es selbst nicht gut genug schreiben kann. Ich habe Wochen damit verbracht, ihn zu der sachlichen, eher trockenen Prosa zu bringen, die ich haben will. Ganz stimmte es immer noch nicht, also bat ich einen zweiten Agenten, das Kapitel auseinanderzunehmen.

Das Urteil des Kritikers: zu viel Passiv, kein handelndes Subjekt, der Text liest sich wie eine technische Norm. Zunächst leuchtete mir das ein.

Der schreibende Agent widersprach. Mehrere dieser Sätze standen grammatisch im Aktiv. Der angeblich fehlende Akteur kam bereits im dritten Absatz vor.

Ich reichte ihre Antworten hin und her. Der Kritiker musste seine Einwände begründen, der Autor seine Verteidigung. Ihrer Auseinandersetzung konnte ich viel leichter folgen, als ich die Probleme selbst hätte erkennen können.

Welche Kritik dem Essay half, musste ich trotzdem selbst entscheiden. Ohne eine Vorstellung davon, was der Text leisten sollte, wäre ich einfach dem Berater gefolgt, der zuletzt gesprochen hatte.

In der Softwareentwicklung, meinem eigenen Fachgebiet, kenne ich mich im Königreich besser aus. Ein Vorschlag muss zum bestehenden System passen, zu den Menschen, die daran arbeiten, und zu den Bedingungen, unter denen es läuft. Mancher seltsam aussehende Code hat eine Geschichte, die man verstehen sollte, bevor man ihn ersetzt.

Die Berater werden Dinge finden, die uns entgehen. Sie werden aber auch dann noch weiter Dinge finden, wenn die Arbeit längst gut genug ist. Wir müssen ihre Einwände beurteilen, erkennen, wenn uns ein Berater Sand in die Augen streut, Entscheidungen treffen und wissen, wann Schluss ist.

Agentic Coding gibt uns einen Hofstaat voller fähiger Berater. Wir krönen uns selbst, und auf dem Marktplatz wartet schon die Guillotine.