Jackie Leven
Der schottische Songwriter Jackie Leven (1950–2011) begleitet mich, seit ich ihn Anfang der 2000er in Drammen auf der Bühne gesehen habe. Die Seite holt seine eigenen Texte aus dem Internet Archive zurück und führt die Arbeit derer fort, die jackieleven.com einmal aufgebaut haben.
Der Anlass
Seit jenem Konzert gehört Jackie zu meinem Leben. Nicht ständig und nicht immer nah, manchmal eine Weile gar nicht, aber er kommt zurück und ist da, wenn ich ihn brauche. Warum das so ist, kann ich schwer erklären, und ich möchte es auch nicht versuchen. In diesem Frühjahr kam er mit solcher Dringlichkeit zurück, dass ich mehr über ihn als Person wissen wollte.
Bei der Suche stellte ich fest, wie sehr er in Vergessenheit gerät. Seine Website, die so viel von ihm zeigte, ist nicht mehr erreichbar. In sozialen Netzwerken ist kaum etwas los, in der Presse so gut wie nichts. Auf den Streaming-Diensten wird er selten gehört, und bei dem einen Lied, das häufiger angeklickt wird, vermute ich den Titel als Grund und nicht die Musik.
Daraus ist diese Seite entstanden. Sie ist mir von meinen eigenen Projekten das wichtigste.
Die Geschichte von jackieleven.com
Die Adresse hat eine eigene Geschichte. Jan Saghaug gründete 1996 eine Fanseite unter diesem Namen, und ab 2002 schrieb Jackie dort seine Monatskolumne The Deep Pool. 2008 zog seine Website auf jackieleven.co.uk um; die .com-Adresse wurde noch im selben Jahr geparkt und später für Fremdes benutzt.
Lange Zeit war diese Adresse also ein Zentrum für alles, was mit ihm zu tun hatte. Mit der neuen Seite möchte ich etwas von der Arbeit derer fortsetzen, die die Fanseite aufgebaut und Jackies Websites mit ihm zusammen entwickelt haben.
Jackies Texte
Die alten Seiten sind seit Jahren offline, aber vieles davon liegt im Internet Archive. Unter „The Deep Pool“ stehen seine Kolumnen und Blogbeiträge von 2002 bis zur Todesanzeige im November 2011, im englischen Original und mit Links auf die erhaltenen Archivfassungen.
Die Zeitreise stellt Auszüge daraus neben die Ereignisse seines Lebens. Diese Zitate bleiben in beiden Sprachfassungen englisch. Wo biografische Darstellungen voneinander abweichen oder ein Jahr nur ungefähr bestimmt ist, steht das bei der jeweiligen Station.
Die Pastiche
Unter „Biografie“ steht ein Buch in fünfzehn Kapiteln, erzählt in der ersten Person. Es stammt nicht von Jackie. Wir haben es geschrieben, seiner Erzählweise folgend, und verbinden darin Erinnerungen aus seinen Kolumnen und Blogbeiträgen mit erfundenen Szenen und Gesprächen. Die Anmerkungen am Kapitelende sagen, worauf wir uns gestützt und was wir hinzugedacht haben.
Auf die Kennzeichnung lege ich Wert. Jackie hat seine Geschichten gern ausgeschmückt, und seine belegten Erinnerungen klingen oft schon wie Erfindungen. Stünde unmarkierte erfundene Ich-Prosa daneben, ließe sich bald nicht mehr trennen, was von ihm stammt. Deshalb steht „Pastiche“ im Seitentitel und der Hinweis über jedem Kapitel, belegte Zitate sind als solche gesetzt, und die Kapitelseiten bleiben aus den Suchmaschinen heraus.
Seine Stimme treffen
Den größten Teil der Arbeit hat nicht das Schreiben gekostet, sondern das Treffen seines Tons. Der Maßstab lag im Haus: seine eigenen Texte, mehrere zehntausend Wörter. Die ersten Kapitel stimmten inhaltlich und klangen trotzdem nach Maschine. Woran es lag, zeigte erst der Vergleich mit seiner Prosa. Es waren nicht die Wörter, sondern der Takt. Jackies Sätze mäandern durch Kommas und Gedankenstriche und kommen oft nirgends an, während die Entwürfe dasselbe Material in abgeschlossene Einheiten mit sauberer Landung zerlegten.
Die Korrektur daraus ging zunächst schief. Aus dem Messergebnis wurde eine Vorgabe, die Sätze wurden immer länger, und der Text war kaum noch lesbar. Seine Eigenart ist nicht die Länge, sondern der Wechsel: ein Satz von zwölf Wörtern neben einem, der eine halbe Seite läuft. Dazu kommt, dass eine Autobiografie anders gelesen wird als eine Monatskolumne. Was dort als Eigenart trägt, ermüdet über hundert Seiten.
Für den Durchgang durch alle Kapitel meldet ein kleines Werkzeug Satzformen, die bei ihm selten vorkommen. Es entscheidet nichts. Von den zuletzt gemeldeten Stellen ist keine geändert worden: Es waren Jackies eigene Wörter, wörtliche Rede anderer, nackte Tatsachen und Witze in seinem Register. Eine automatisch angewandte Regel hätte sie eingeebnet und einen Text ohne Verfasser hinterlassen.
Werk und Stimmen
Die Diskographie führt durch seine Veröffentlichungen von 1973 bis 2024, von John St. Field über Doll by Doll bis zu den Solojahren und Nebenprojekten, mit Titellisten, belegten Credits und Hörangeboten. Wer ihn nicht kennt, findet unter „Hören“ eine kurze Einführung mit Stücken aus verschiedenen Jahren und Besetzungen.
Unter „Stimmen“ steht, was andere über ihn geschrieben und gesagt haben, von 1978 bis heute: Interviews, Kritiken, Porträts, Konzertberichte, Nachrufe und Sendungen, jeweils mit einer kurzen Inhaltsangabe und der Angabe, ob sich die Quelle noch lesen lässt.
Mitmachen
Wer Erinnerungen an Jackie teilen oder an der Seite mitarbeiten möchte, kann sich melden. Hinweise auf Fehler und auf Texte, die in der Sammlung noch fehlen, sind mir ebenso willkommen.
Suche im Archiv
Die Suche verbindet eine Wortsuche mit semantischer Suche. Namen, Titel und konkrete Formulierungen lassen sich ebenso suchen wie Themen, deren Wortlaut man nicht kennt. Beide Verfahren liefern Kandidaten für eine gemeinsame Trefferliste; ein Modell bewertet anschließend deren Relevanz zur Anfrage neu.
Die Treffer verweisen auf lesbare Textstellen und ihre Herkunft. Jackies eigene Texte, Aussagen anderer und redaktionelle Einordnungen bleiben dabei unterscheidbar. Die Suche erschließt vorhandenes Material, statt daraus eine neue Antwort zu formulieren.
Von PHP zu Go
Die erste Fassung entstand in PHP. Als ich das gewachsene Archiv um eine semantische Suche erweitern wollte, habe ich die Anwendung mit Coding-Agenten innerhalb eines Tages nach Go übertragen. Inhalte, Erscheinungsbild und öffentliche Adressen blieben erhalten. Texte und Kataloge waren bereits von der Programmlogik getrennt; die bestehende Website diente als Vergleich für Verhalten und Darstellung.
Die Go-Anwendung lädt die JSON-Kataloge beim Start und erzeugt die Seiten aus HTML-Templates und Markdowntexten. Sie verwendet die Go-Standardbibliothek, im Browser läuft weiterhin Vanilla JavaScript. Die Suche ist ein eigener Dienst mit einem PostgreSQL-Index für Wortsuche und Textvektoren. Embeddings und die anschließende Relevanzbewertung werden über DeepInfra berechnet.
Der Suchindex wird getrennt von der Website aufgebaut und als versionierter Stand bereitgestellt. So bleiben die redaktionellen Inhalte von den daraus abgeleiteten Suchdaten getrennt. nginx leitet Anfragen an die Go-Anwendung weiter; die Suchschnittstelle und die Datenbank sind nicht direkt öffentlich erreichbar.
Einblicke.
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Ein Kapitel der Pastiche, mit dem Hinweis über dem Text -
Die Zeitreise, eine Station mit Zitat und Beleg -
The Deep Pool, Levens Kolumnen in der Lesefassung -
Die Diskographie mit Jahreszeitstrahl und Filtern