optimistic.day
Ein Kalender mit einem Gedanken für jeden Tag, dazu ein Begleittext und eine Tafel von Anna Atkins. Angefangen hat die Sammlung bei den Stoikern. Das Gegenteil eines Feeds.
Ein Gedanke für jeden Tag
Ich wollte einen Ort, an dem einmal am Tag etwas steht und sonst nichts passiert. Keine Benachrichtigung, keine neuen Beiträge weiter unten, nichts, das zum Weiterlesen drängt. Wer den heutigen Eintrag gelesen hat, ist fertig.
Die Sammlung hat mit stoischen Gedanken angefangen, weil mich diese Haltung seit Langem begleitet. Inzwischen stehen neben Seneca, Epiktet und Marc Aurel auch Schriftsteller, Naturforscher und Philosophen anderer Richtungen. Mich interessieren ihre Versuche, sich selbst zu verstehen: wie sie eigene Gewohnheiten bemerken, an einer Überzeugung zweifeln oder ihre Meinung ändern.
Im nächsten Jahr begegnen einem dieselben Gedanken wieder. Vielleicht bleibt man dann an einer anderen Stelle hängen. Deshalb sind die 366 Gedanken einmal zufällig auf die Tage verteilt worden, und seitdem liegt diese Reihenfolge fest. Künftige Tage sind geschlossen; wer vorblättern will, landet beim heutigen Gedanken.
Warum neben jedem Zitat ein Text steht
Ein Zitat allein bleibt bei mir selten lange. Ich wollte etwas danebenstellen, das mich den Gedanken weiterspinnen lässt: eine Anekdote, eine Geschichte, eine Beobachtung, manchmal eine Frage.
So sind die Begleittexte entstanden. Sie bringen Menschen und Begebenheiten ins Spiel, an die ich bei einem Satz nicht gedacht hätte. Was jemand getan oder erlebt hat, kann einem Gedanken eine Richtung geben, auf die man beim Lesen allein nicht kommt. Manchmal macht eine Geschichte den Satz auch schwieriger. Dann beschäftigt er mich auf eine andere Weise weiter.
Die Zitate sind als freie Übertragungen gemeinfreier Texte gekennzeichnet, jeweils mit Stellenangabe. Mir ist wichtig, dass erkennbar bleibt, was aus der Quelle stammt und was meine Zutat ist.
Anna Atkins
Anna Atkins habe ich durch einen dieser Begleittexte entdeckt. Ihr Name kam darin vor, ich habe mir ihre Bilder angesehen, und daraus wurde die Idee, ihre Tafeln auf der Seite zu zeigen.
Auch sie stehen für mich neben dem Gedanken. Eine Alge am Strand ist so vertraut, dass wir kaum hinsehen. Auf ihren Tafeln sehe ich plötzlich die feinen Verzweigungen und wie unterschiedlich die einzelnen Algen sind. Etwas Bekanntes zeigt eine andere Seite, wenn man es aus der Nähe betrachtet.
Mich fasziniert, wie diese Bilder entstanden sind. Atkins brachte ihre botanischen Kenntnisse und ihre Erfahrung als Zeichnerin mit einem gerade erst erfundenen fotografischen Verfahren zusammen. Die Pflanzen hinterließen ihre hellen Formen selbst auf dem blauen Papier. Daraus entstand das erste fotografisch illustrierte Buch, dessen erste Lieferung 1843 erschien; jede Tafel in jedem Exemplar musste einzeln belichtet werden.
Die Tafeln auf der Seite sind Faksimiles aus den Digital Collections der New York Public Library. Man sieht die Ränder, die Beschriftungen und die Unterschiede zwischen den Blättern. Ich zeige sie so, weil diese Spuren zu den Bildern gehören.
Vielleicht liegt darin der Optimismus, den ich mit der Seite verbinde: dass in einem vertrauten Gedanken oder einer Alge am Strand noch etwas zu entdecken ist.
Das Archiv
Neben dem Tagesritual wollte ich die Sammlung auch als Ganzes lesbar haben. Im Archiv lässt sie sich wie ein Buch durchblättern, nach Stichworten durchsuchen und über Stimmungen erschließen: Man wählt, wie man sich gerade fühlt, und bekommt die Gedanken dazu.
Das ist die eine bewusste Ausnahme vom Ritual. Der Tag bleibt der Tag, aber wer etwas sucht, soll es finden.
KI hilft mir beim Schreiben
Ich habe oft eine Vorstellung davon, was mich an einem Gedanken interessiert, finde aber schwer die Worte dafür. Mit KI kann ich nach Geschichten suchen, Formulierungen ausprobieren und an einem Text arbeiten, bis ich darin wiederfinde, was ich sagen wollte.
Ich lese die Entwürfe, wähle aus und ändere sie. Manchmal merke ich erst an einer Formulierung, die nicht passt, was ich eigentlich meine. Auch dabei spinnt sich der Gedanke weiter. Auf der Seite selbst arbeitet keine KI: Was dort steht, ist fertig geschrieben und liegt in der Datenbank.
Technik
Die Seite kommt ohne Framework aus, ohne Abhängigkeiten und ohne Build-Schritt. Das ist eine Sicherheitsentscheidung: Was nicht da ist, muss ich nicht pflegen und kann mir nichts einschleppen. Die Konfiguration liegt außerhalb des öffentlichen Verzeichnisses, eine strikte Content Security Policy verbietet eingebettetes JavaScript und CSS, und die Schriften liegen auf dem eigenen Server statt bei einem Dienst.
Dieselben Dateien laufen unter zwei Adressen, jede mit eigener Konfiguration. Das Deployment überträgt nur ausdrücklich aufgeführte Laufzeitdateien.
Einblicke.
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Das Archiv mit Suche nach Stimmungen und Stichworten -
Die Seite zu Anna Atkins und ihren Tafeln